Weine aus dem Côtes-du-Rhône
Aus Weinbruderschaft
Wohl kaum eine bedeutende Rebbauregion Europas ist in den letzten 10-20 Jahren derart in Vergessenheit geraten wie das französische Rhônetal. Dabei müssten dessen mächtige, körperreiche, fleischige Weine eigentlich voll im Trend liegen. Weinliebhaber seien deshalb daran erinnert, dass vor nicht allzu langer Zeit die grossen Weine der Rhône in der Wertschätzung die Bordeaux in den Hintergrund verbannten, und höchste Preise erzielten.
Ein Blick ins 19. Jahrhundert ist vielsagend: Man weiss, dass sehr viel Wein aus der Region des Hermitage nach Bordeaux verschickt wurde, wo er zur Aufbesserung führender Châteaux-Erzeugnisse verwendet wurde. Man weiss beispielsweise von Lafite und Margaux, dass sie zu jener Zeit "hermitagé" waren. Und es wäre eine Recherche wert, inwieweit diese Praktiken die berühmte Bordeaux-Klassifikation von 1855 beeinflusst haben.
Wenn wir hier vom Weingebiet der Côtes-du-Rhône (als Synonym für das französische Rhônetal) sprechen, meinen wir die Region zwischen Vienne (südlich von Lyon) bis Avignon und können aus Platzgründen nur einige "Tupfer" vornehmen: Nach Vienne ein Paukenschlag die Côte Rôtie ("gebratener Hang"). Der hier (wie auch in Hermitage, Cornas) angebaute Syrah ist in seiner Grossartigkeit eine Offenbarung. Über Condrieu, Saint-Joseph führt der Weg südwärts nach Hermitage, Cornas, Saint-Péray. Südlich von Valence, wo das Rhônetal breit und flacher wird, die Berge in wellige Hügel-zonen übergehen, finden sich die riesigen Flächen der Appellation Côtes-du-Rhône, die vor Avignon durch die stolzen Châteauneuf-du-Pape und Gigondas, durchbrochen sind. Hier ist die Heimat der Traubensorte Grenache (Zucker- und körperreich, aber säurearm), der häufig Cinsault (für Eleganz, Finesse), Mourvèdre (Farb- und Tanninspender) und eher selten Carignan als Assemblage beigefügt wird.
16 Jahre ist es her, seit unserer letzten Côtes-du-Rhône-Degustation und deshalb ist es an der Zeit, dass wir uns wieder mit diesen grossartigen Weinen auseinandersetzen. Manfred Heiniger hat sich bereit erklärt, als Magisterarbeit, uns eine Auswahl der besten Gewächse aus diesem Gebiet vorzustellen. Kommen Sie an den Anlass und lassen Sie sich überraschen, was das französische Rhônetal an Vielfalt und Köstlichkeiten zu bieten hat.
Die Degustation wird geleitet von Magister vini Manfred Heiniger
Der Stubenrat freut sich auf Ihren Besuchund wünscht Ihnen einen interessanten, angenehmen Abend
Rückblick
Die Weine aus dem Rhonetal sind etwas in Vergessenheit geraten. Stubenmeister Willi Spürgin begrüsste zur letzten Veranstaltung im Jahreszyklus des Vereinsjahres der Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen.
Um die Ehren des Magister Vini zu erhalten, hat jeder Geselle auch sein Meisterstück zu liefern. Manfred Heiniger absolvierte hiermit einen Teil seiner Arbeit mit der Durchführung einer Degustation «Weine aus dem Côtes-du-Rhône».
Die Geschichte
Dieses bedeutende französische Weinanbaugebiet erlebte seine Hochblüte zur Römerzeit, deren Zeugen sowohl in der Baukunst (Tempel des Augustus in Vienne, Arc de Triomph in Orange etc.) wie auch im Weinbau (Terrassierung) zu finden sind. Das Gebiet zieht sich beidseitig der Rhone von Lyon hinunter bis zum alten Papststädtchen Avignon. Der Rebbau ist beidseitig des Rhoneufers 10 bis 20 Kilometer ins Landesinnere anzutreffen und teilt sich klar in zwei grosse Distrikte ein: das nördliche und das südliche Côtes-du-Rhône. Es wird gesagt, dass im 19. Jahrhundert insbesondere die Weine aus dem nördlichen Rhonetal als «Verbesserungsweine» den eher schmalbrüstigen Bordeaux-Weinen dienten.
Die Region des Côtes-du-Rhône
Wer die Region des Rhonetales etwas näher kennt und diese unter dem Aspekt des Weinbaus betrachtet, dem wird eines sofort klar: hier gibt es eine grosse Palette von verschiedensten Weinen. Einserseits ist die Fülle der Rebsorten massgebend, andererseits die Böden. Im Norden überwiegen die Sorten Syrah und Viognier blanc, im Süden gibt es an die zwanzig verschiedene Sorten. Hier die bedeutendsten: Grenache, Syrah, Mourvèdre, Cinsault, Carignan für die Roten, Roussanne, Marsanne, Clairette und Ugni-blanc für die Weissweine. Die Böden reichen von leichten trockenen Granit- und Schieferböden im Norden zu den Lehm- und Kalkböden im Süden. In der Region um Château-Neuf-du-Pâpe überdeckt eiszeitliches Geröll grosse Flächen von Ackerland. Diese Flusssteine sind hervorragende Temperaturregulatoren. Sie schützen den Boden vor Kälte, weil sie tagsüber die Sonnenwärme aufnehmen und nachts wieder abgeben. Das Klima ist im nördlichen Teil ziemlich mild, im südlichen jedoch dominiert bereits das Mittelmeerklima mit heissen Sommer- und milden Wintertemperaturen. Der Mistral, der kalte und trockene Fallwind, der vom Massif Central über die Cevennes ins Rhonegebiet bläst, beeinflusst den Weinbau wesentlich.
Die vorgestellten Weine
Manfred Heiniger präsentierte die folgenden Weine:
- Saint-Péray 2001, ein Weisswein mit typischen Geschmack und ausgeprägtem Bouquet. Ein grosser Teil dieser Weine wird jedoch nach dem Champagner-Verfahren zu Schaumwein verarbeitet.
- Château-Neuf-du-Pâpe «La Bernardine» blanc 2002, welcher sehr ansprechend nach Holunderblüten duftete und sich sehr schön präsentierte. Für einige war es neu, dass es auch weisse Château-Neuf-du-Pâpe» gibt.
- Coteaux d'Aix en Provence «Les Béatines» 2000, ein Vertreter aus der Provence.
- Côtes-du-Rhône-Villages «Rasteau», mit feiner Nase doch etwas grünlicher Note im Abgang
- Crozes-Hermitage «Les Meysonniers», ein 100 %iger Syrah.
- Saint-Joseph «Deschants» 2000, ein ansprechender Wein
- Château-Neuf-du-Pâpe «La Bernardine» 2000, ein 100 %iger Syrah, was eher untypisch ist für Château-Neuf-du-Pâpe
- Vacqueyras «Château des Roques» 2001, ein sehr ansprechender, wunderschön reicher Wein
- Gigondas 2002, ein gehaltvoller Vertreter der Region
- Coteaux-d'Aix-en-Provence «Domaine des Béates» 2000, aus der Provence
- Côte Rôtie «Les Bécasse» 1998, ein interessanter Wein aus dem nördlichen Côtes-du-Rhône
Die Prüfung bestanden
Stubenmeister Willi Spürgin gratulierte Manfred Heiniger zur bestandenen Prüfung und überreichte ihm das obligate Zinntellerchen. Ein fast vergessenes Weinbaugebiet durfte mal wieder Gast in unseren Reihen sein.





