Piemont-Degustation
Aus Weinbruderschaft
Weine aus dem Piemont - Degustation mit Thomas Glanzmann
Das Piemont verfügt über eine lange Tradition. Bereits die Römer kannten und schätzten diese Weine. Die Weiterentwicklung des piemontesischen Weinbaus wurde durch die Franzosen, welche viele Jahrhunderte ihr Wissen und Können unter Beweis stellten, vorangetrieben.
Vergessen ist der Weinskandal aus dem Jahre 1986. Nur um den Alkoholgehalt im Wein zu erhöhen, und damit den Verkauf zu fördern, wurde der Wein mit billigem Methyl-Alkohol gepanscht. Die grossen Namen wie Altare, Vieti, Giacosa, Gaja, La Spinetta, Grasso… welche dieses Erbe weiterführen, haben dank neuer Technologien und grosser Kenntnisse der Weinbereitung, die Weine qualitativ auf einem hohem Niveau wieder etabliert.
In aller Welt sind die drei grossen „B’s“: Barbera, Barbaresco und Barolo bestens bekannt. Aus der faszinierenden und guten Rebsorte, werden aber auch in weniger bekannten Regionen des Piemonts, herrliche Nebbiolo Weine hergestellt.
Der best ausgewiesene Piemont-Kenner, und uns nicht unbekannte Thomas Glanzmann aus Reiden, wird uns diese interessanten Weine aus dem Piemont vorstellen. Wir würden uns freuen, wenn Sie unserer Einladung Folge leisten und recht zahlreich teilnehmen würden.
Durch den Abend führt uns Thomas Glanzmann Der Imbiss am Schluss der Degustation ist im Preis eingeschlossen.
Anmeldung schriftlich bis spätestens Freitag 4. März 2011 mit Anmeldekarte oder per E-Mail an: ahaller@swissonline.ch Bitte bringen Sie Ihre Degustationsgläser mit.
Der Stubenrat freut sich auf Ihren Besuch und wünscht Ihnen einen spannenden und unterhaltsamen Abend.
IN EIGENER SACHE
Das persönliche Wort des Stubenmeisters Alex Haller:
Liebe Weinfreundinnen und Weinfreunde,
Wir haben für Sie im 2011 viele, interessante Anlässe vorbereitet. Erstmals können wir Ihnen zwei Weinreisen mit Rita und Edi Meyer ins Ausland anbieten. Erfreulicherweise war die Reise nach Südfrankreich in kürzester Zeit ausgebucht. Die Österreichreise kann mangels Teilnehmern nicht durchgeführt werden. Weitere Anlässe entnehmen Sie dem Jahresprogramm 2011.
Angehende Gesellen und Magister können sich mit der Antwortkarte für die „Wy-Wärchstatt“ beim Obmann des Prüfungsrates Willi Spürgin anmelden. Anmeldung bis Freitag 27. Januar 2011. Danke.
In diesem Jahr wird zum sechsten Mal der „Coupe ANAV“ durchgeführt. Eine Herausforderung für alle Weinfreunde! In 3-er Teams, mit max. 1 Person aus der Weinbaubranche, sind Fragen aus den letzten „Ami du Vin“ zu beantworten und 9 Weine blind zu verkosten. Kosten Fr. 150.--/Team. Regionalausscheidung: Samstag 2. April 2011 in Mehlsecken. Finale: Samstag 21. Mai 2011 in Solothurn. Wir würden uns freuen wenn sich möglichst viele Zofinger Weinfreunde an diesem Wettbewerb beteiligen würden. Anmeldung bis Freitag 27. Januar 2011.
Und dann haben wir für Sie eine erste himmlische Degustation aus dem Piemont zusammengestellt. Wir laden Sie herzlich ein auf Donnerstag 10. März 2011 zu diesem aussergewöhnlichen Anlass.
Mit lieben Grüssen
Für den Stubenrat
Ihr Stubenmeister Alex Haller
Rückblick
Mit grosser Freude konnte der Stubenmeister Alex Haller über 80 Anwesende zum Anlass begrüssen. Das Thema mag wohl viele Weinfreunde begeistert haben.
Piemonte - die Region
Piemonte - am Fuss der Berge - grenzt sowohl an Frankreich wie an die Schweiz und ist als einer der wichtigen Industrie-Standorte Nord- Italiens bekannt. Torino, die schmucke Hauptstadt, wurde durch die kürzlich durchgeführten Olympischen Winterspiele wieder in vielen Köpfen präsenter. Was aber die kulinarisch geprägten Weinfreunde besonders interessiert sind die hervorragenden Weine und die hochstehende Gastronomie. Nebst Weinbau sind auch Rinderzucht, die berühmten Trüffel und die feinen Haselnüsse in aller Munde! Piemonte ist weltbekannt für seine Weine, aber auch für seine Weinskandale! Und wie schon der französische Schriftsteller Honoré de Balsac bemerkte: „So ist halt die Welt - wer sich zur Schau stellt über den wird geredet“.
Thomas Glanzmann – der Referent
Dank den guten Beziehungen unseres Kannenmeisters Edi Meyer, konnte Thomas Glanzmann für diesen Weinvortrag mit Kostproben gewonnen werden. Thomas Glanzmann hatte sich vor rund 20 Jahren beruflich verändert, d.h. er vertauschte den Lehrerberuf mit einer seiner Lieblingsfreizeitbeschäftigungen, dem Sensorium für Italienische Weine, und ist heute hauptberuflich im Wein-Business tätig. Seine grosse Leidenschaft gilt seit Jahren dem Piemont. In unzähligen Reisen und bei den unterschiedlichsten Begegnungen mit Weinproduzenten, Oenologen und Weinhändlern, hat er sich einen Fundus an Wissen und Erfahrungen angeeignet, den er uns in seiner ruhigen überlegten Art einen Abend lang teilhaben lässt.
Das Weinbaugebiet - die Rebsorten
Die Wein-Regionen Langhe, Roero, Asti, Monferrato und Acqui Terme gehören wohl zu den bekanntesten Gebieten, in welchen Spitzenweine kultiviert werden. Rebsorten im Piemont gibt es unzählige, doch die wohl berühmteste Rotweinsorte ist die Nebbiolo, aus welcher die Barolos und Barbarescos entstehen. Mit über 50% am weitesten verbreitet im Piemonte ist jedoch die Barbera-Traube, die drittwichtigste ist die Dolcetto. Bei den weissen Rebsorten herrschen Cortese und Arneis vor.
Die Weine – ihre Charakter und ihre Geschichten
Die Römer schätzten schon die herrlichen Weine aus dem Piemonte. Heute gehört das Piemonte zu den Qualitätsweinbaugebieten Italiens schlechthin. Auf den rund 55‘000 ha Rebflächen gehören 70% aller produzierten Weine dem DOC und DOCG an. Keine andere Region Italiens schliesst auch nur annähernd auf (Toscana 45%, Veneto 25% und Apulien 3%).
Ein berühmtes Schaumweingebiet liegt im Asti. Der gelbe Muskateller (Moscato) macht für die Asti-Produktion rund 25% der Weissweintrauben aus.
- Spumante Valentino Riserva Elena 2006, Podere Rocche dei Manzoni;wurde nach dem Vorbild des Champagners mit Chardonnay und Pinot Noir (70/30) erzeugt und besticht durch Kraft und Eleganz. Erst nach 4 Jahren auf der Flasche gelangt dieser hervorragende Spumante in den Verkauf. Valentino Migliorini ist eine ausgesprochen innovative und traditionsbewusste Persönlichkeit. Er zog aus der Emilia Romagna ins Piemont, wo er heute zu den führenden Grössen im Weinbau gehört.
- Roero Arneis Trinità DOCG 2009, Azienda Agricola Malvirà;Trocken ausgebaut hat er eine fruchtige Nase und zeigt sich spritzig, filigran.Roero Arneis ist eine autochthone Rebsorte, die 1990 fast ausgestorben, dann wieder entdeckt und seit 2004 den DOCG-Status hält.
- Dolcetto d’Alba 2009, Azenda Agricola Ruggeri-Corsini;dieser Dolcetto d’Alba 2009 zeigt Kirschen im Bouquet und hat einen markanten Abgang. Dolcetto ist eine „dankbare“ unkomplizierte Sorte, frühreif und ergibt nebst Tafeltrauben auch kräftige Rotweine.
- Ruché di Monferrato Casalese DOC Cascina Felice; Ruché oder Ruchet ist eine ganz spezielle Rebsorte und zeigt ein helles Granatrot, eine nach Rosen duftende parfümierte Nase und ist trocken im Abgang. Der Schweizer Felix Binggeli hat sich mit seinen 8ha Reben im Piemont einen Traum erfüllt.
- Barbera d’Asti Superiore Tre Vescovi DOCG 2008, Vit. Ass. Vinchio-Vaglio; dunkles Rot, reife Früchte, mittellang im Abgang, weinig. Die Barbera sind heute nicht wieder zu erkennen! Es sind meist Weine mit Schliff, Eleganz und Finesse. Die meisten werden im Holz ausgebaut. Die vorzüglichen Barbera d’Asti verzeichnen tiefe Erträge und sind sehr oft DOCG-bezeichnet von bester Qualität.
- Barbera d’Alba Superiore Sorito Mosconi DOC 2006, Podere Rocche dei Manzoni; tiefrot, Vanilletöne und Schmelz, langer Abgang.Zum Teil 60 Jahre alte Rebstöcke liefern, nach Lagerung von 24-30 Monaten im Fass, hervorragende Rotweine. Barbera-Reben machen rund 50% aller Rotweinreben im Piemonte aus. Oft werden Barbera auch als „Säurelieferanten“ nach Sizilien geliefert, um die dortigen Weine zu verbessern.
- Nebbiolo Langhe DOC 2009, Azienda Viticola Parusso; Rubinrot, saubere fruchtige Nase, feiner Blütenduft, ausgewogen, elegant – ein bestechnender Wein! Nebbiolo-Reben sind äusserst anspruchsvoll und verlangen nach besten Südhanglagen und Böden. Die Langhe oder Zungen der Rebhügel verwöhnen diese Sorte und sie verwöhnt uns! Mengenmässig macht Nebbiolo (Synonym Spanna oder Chiavennasca) in Italien nur ungefähr 4-5% aus. Selbst in Kalifornien und Südamerika kann die Nebbiolo nicht grosse Weine liefern.
- Gattinara San Francesco DOCG 2004, Azienda Antoniolo; blasses Rubinrot, offenes Bouquet, Vanille, Aprikosenduft, ausgewogen und stoffig. Nebst der Regionen Langhe und Roera bildet Gattinara eines der besten Anbaugebiete für die Spanna.
- Roero Superiore Mombeltramo DOC 2004, Malvirà; Granatrot, etwas verschlossen wirkend, Duft nach Lakritze, Tannin etwas vordergründig, zeigt sich lang im Abgang.
- Barbaresco Serraboella DOCG 2004, Azienda Agricola Cigliuti; dunkles Granatrot, komplexe reiche Nase, sehr breitgefächert im Gaumen, lang anhaltend im Abgang. Signore Cigliuti ist eine lebende Legende. Sein Familienbetrieb umfasst 6ha, den er heute noch leitet! Sein Konterfei ist weltbekannt.
- Barolo Big d’Big DOCG 2001, Podere Rocche dei Manzoni; dunkles Granatrot, vielfältiges offenes Bouquet, Lakritze, Teer wie auch Rosenduft, zeigt grosse Komplexität von Aromen, kompakt und lang im Abgang. Eine Fülle von Eindrücken hinterlassend! Big d’Big wird 20-30 Tage an der Maische belassen um dann in Barriques ausgebaut zu werden.Barolo wird in 11 Gemeinden ausgebaut und ist der Wein der Könige schlechthin!
- Barolo Cà Mia DOCG 2001, Azienda Agricola Brovia; dunkles Rot, feine Fruchtnote, Dörrfrüchte, etwas weniger komplex als sein Vorgänger, doch mächtig im Abgang – ein etwas anderer Barolo-Stil. Eben halt eine modernerer.
Der Referent führt auch die Unterschiede zwischen traditioneller und moderner Weinbereitung vor. Während bei der traditionellen eine lange Maischengärung (20-30 Tage) viel Gerbstoff, komplexe Aromatik und entsprechend adstringierende, härtere Weine ergibt, braucht diese Art längere Zeit bis zur Trinkreife (10-20 Jahre!). Bei der modernen Weinbereitung mit 2-4 Tagen und kontrollierter Maischegärung, sind weniger Gerbstoffe, aber mehr Frucht, etwas weniger Komplexität, doch mehr Weichheit und Fülle auszumachen. Diese Weine sind früher trinkreif.
Wer noch weitere Information direkt übers Piemont machen möchte, kann dies im Bilderband von Andrea Zanti über die Weine des Piemont oder direkt vor Ort zum Beispiel in der Villa Tiboldi in Canale. Thomas Glanzmann hätte man noch lange zuhören können. Es war spannend, wir haben viel übers Piemont, seine Weine und Leute erfahren und der langanhaltende Applaus der Teilnehmenden sprach ihm ein grosses Lob aus! Vielen Dank Thomas! Beim anschliessenden Essen, einem vorzüglich zubereiteten Kaninchenbraten mit Polenta, welche mit Trüffelöl verfeinert war, schmeckten die Weine noch viel viel besser. Piemonteserweine à part, d.h. ohne das dazugehörende Essen zu verkosten, erweisen sich als äusserst anspruchsvoll und sind eigentlich keine einfache Sache!




