Portrait
Gründung
Am 17. April 1959 gründeten ein paar Freunde des edlen Tropfens in Zofingen die Weinbruderschaft St. Martin. Die Gründer, William Gernet, Kurt Kilchmann, Walter Siegenthaler, Edy Meyer sen., Albert Blaser, Erich Wyss und Willy Zinniker, hatten sich zum Ziel gesetzt, die Kultur und das Wissen um den Wein zu pflegen. Zur Bekräftigung der Freundschaft zum Wein und zu Ehren des selbstgewählten Schutzpatrons St. Martin erfolgte dann 1963 die Einführung des Weinordens.

Emblem
Kanne200.jpg (5020 bytes)Die flachrunde, mit dem Zofinger Stadtwappen bemalte Ratskanne aus Zinn ist zum Emblem der Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen geworden. Seit einigen Jahren besitzt die Weinbruderschaft eine Replika in 2/3 der Originalgrösse, welche bei den Degustationen als dekoratives Zubehör den Tisch des Referenten sowie auch unser Logo ziert.

Was bedeutet "Weinbruderschaft"
Die historische Bedeutung von Bruderschaften und Zünften findet sich im ausgehenden Mittelalter in den aufstrebenden Städten Mitteleuropas. Es waren Berufsverbände der Handwerker und Kaufleute. Auch die Weinberufe vereinigten ihre Interessen in Zünften und Bruderschaften. Die einzige noch existierende Weinbruderschaft mit echtem historischen Hintergrund ist die "Noble Confrérie des Vignerons" in Vevey. Alle andern verschwanden im ausgehenden 18. Jahrhundert. Die heute bekannten Gilden und Weinbruderschaften sind meist Neugründungen, welche in Anlehnung an die historischen Begebenheiten der Interessenvertretung des Kulturgutes Wein dienen und ohne kommerziellen Charakter sind. Bei den Weinbruderschaften und Zünften in Zofingen, Luzern, Aarau, Solothurn usw. handelt es sich um Vereinigungen von Weinfreunden.

Wieso "St. Martin"?
Bei der Wahl des Schutzpatrons wurde einerseits Maurizius, Patron der Ackerleuten von Zofingen oder auch der weitherum beliebte Weinpatron St. Urban genannt. St. Martin wurde jedoch von den Gründern zum Schutzpatron erkoren, weil er sehr grosse Verdienste und eine edle Gesinnung hatte. Er teilte mit seinen Leuten nicht nur Speis und Trank, sondern auch seinen Mantel. Sein Namenstag, der 11. November bildete seit jeher den Abschluss des landwirtschaftlichen Jahreszykluses. Korn und Frucht waren in der Scheune, das Vieh im Stall, die Zinsen bezahlt, die Dienstboten und Knechte gedingt und endlich wurde der Traubenmost zum jungen Wein. Der Gründe viel, um an diesem Tag auch ein wenig zu feiern. Der Jahresabschluss des Vereinsjahres und damit der wichtigste Anlass der Weinbruderschaft St. Martin, das Martini-Bott, wurde auf dieses Datum festgelegt und mit der Gans im anschliessenden Festmahl abgerundet. Um der Mildtätigkeit des Schutzpatrons gerecht zu werden, überreicht die Weinbruderschaft jedes Jahr auf diesen Tag einem Alterspflegeheim die Martinispende, welche aus einem Fuder bestehend aus 64 Zofinger Mass zu 1.5 Litern oder im Gesamten aus 96 Litern Wein besteht. Diese Martinispende wird auch seitens der Empfänger sehr geschätzt!

Ziel und Zweck der Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen
Ist Freude, Verständnis und vertiefte Kenntnisse über den Wein zu vermitteln. Um dies zu erreichen, werden Degustationen und Weinreisen durchgeführt. Das Wissen und die Kultur um den Wein wird durch die Mitglieder untereinander geteilt, was einer freundschaftlichen Verbundenheit förderlich ist. Äussere Form und Struktur des Vereins Die Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen ist in die schweizerische Dachorganisation ANAV (Association Nationale des Amis du Vin) eingegliedert und feiert dieses Jahr ihr vierzigjähriges Bestehen. Sie setzt sich aus dem Konvent (Gründungsmitglieder und Ältestenrat), dem Stubenrat (Vorstand), den Magister Vini (Gesellen mit Magister-Ausweis), den Gesellen (Gesellschafter mit Gesellenprüfung) sowie den Gesellschaftern zusammen. Seit jeher können Frauen wie Männer gleichberechtigt am Vereinsleben aktiv teilnehmen.

Der Stubenrat

Der Vereinsvorstand heisst Stubenrat und besteht aus sieben Mitgliedern. Der Stubenmeister bekleidet das Amt des Präsidenten, leitet den Vorsitz und vertritt den Verein nach aussen und führt die Mitgliederkontrolle. Der Statthalter ist der Schreiberling und bekleidet das Amt des Vizepräsidenten und Chronisten. Der Kellermeister betreut den Gesellschafts-Weinkeller und sorgt in enger Zusammenarbeit mit dem Kannenmeister für das Bereitstellen der Weine für die Degustationen. Der Kannenmeister ist der Fachspezialist schlechthin und verantwortlich für die korrekte Reihenfolge, die optimale Temperatur sowie den Ausschank der Weine an den Degustationen. Der Tafelmeister ist für die Reservation der Lokale das Bestellung der Essen sowie die technischen Einrichtungen besorgt. Der Säckelmeister leitet die finanziellen Geschicke des Vereins und führt die Buchhaltung sowie das Inkasso der Jahresbeiträge. Der Obmann Prüfungsrat leitet die Prüfungen und ist für die stete weinkundliche Weiterbildung der Mitglieder besorgt. Die sieben Stubenräte sind gemeinsam verantwortlich für das Funktionieren des Vereinslebens, das Programm und die Aktivitäten. Die Vereinsaktivitäten werden in einer Chronik festgehalten. Wir hatten in der Vergangenheit das Glück, drei besonders begabte Künstler für die Gestaltung der Vereinschronik zu gewinnen. Den ersten Band gestaltete Chronist Ernest Lille mit wunderschönen Zeichnungen und Schriften. Der zweite Band wurde von seinem Nachfolger, Fritz Kaufmann, gestaltet. Wie gedruckt in wunderschönen kalligraphischen Seiten, aufgelockert mit Fotos und Bildern spiegelt es das Vereinsleben. Der dritte Band wurde vom Chronisten und Altstubenmeister Erwin Hofer gefertigt. Alle Aktivitäten (Jahresprogramm, Degustationen und Reisen) sind seit 1999 elektronisch unter www.weinbruderschaft.ch aufgeführt und einzusehen.

Tätigkeitsprogramm

Das Programm ist darauf ausgerichtet Verständnis und Wissen um den Wein zu vertiefen. Jährlich werden fünf bis sechs Weindegustationen zu einem bestimmten Thema durchgeführt, zum Beispiel einem Weinbaugebiet, einer Rebsorte, einem Jahrgang, der Vinifikation, der Tafelkultur, der Harmonie von Wein und Speise oder der Schulung der Sinne. Ein Referent oder eine Referentin führt durch die Degustation von acht bis zwölf Weinen, welche kommentiert, verkostet, verglichen und besprochen werden. Da es sich um eine echte Auseinandersetzung mit dem Wein handelt, wird während dieser Zeit weder geplaudert noch geraucht, hingegen werden verschiedene Meinungen und Ansichten gerne und lebhaft diskutiert. Weinreisen im In- und Ausland vertiefen die in Degustationen erworbenen Kenntnisse. Zudem werden auch spezielle Weinseminare für Neu-Einsteiger angeboten, welche auf Wunsch mit einer Prüfung abgeschlossen werden können.


Vorbereitungen und Prüfungen
An der Prüfung für das Erlangen des Weinordens muss die Kandidatin / der Kandidat seit mindestens zwei Jahren Mitglied (Gesellschafter) sein und wenigstens sechs Degustationen beigewohnt haben. Unter kundiger Leitung des Prüfungsrates, wird den interessierten Gesellschaftern eine speziell konzipierte und fundierte Schulung in Sachen Rebsorten, Weinbereitung und Weindegustation gegeben. Eine gründliche Vorbereitung auf die Prüfung wird jedoch von jedem Interessenten persönlich gefordert, um diese mit Erfolg bestehen zu können.


Weinorden von St. Martin
Mit Beschluss des Martini-Botts 1963, wurde dem Konvent und dem Stubenrat auf den fünften Jahrestag der Auftrag erteilt, einen Stiftungsbrief abzufassen, welcher die Regeln für das Erlangen der Schnur mit Orden festhält. Dieser Stiftungsbrief enthält neben dem verbindlichen Ehrenkodex auch die Anforderungen für die Vergabe des Weinordens St. Martin und wird alljährlich an Martini durch den Statthalter vorgelesen.

Ehrenkodex
In der Stubenordnung wird festgehalten: "Des Anstandes und seiner Würde bewusst, wird ein wahrer Weinfreund nie über das ihm verträgliche Mass trinken." Wein geniessen ist nichts mehr als elementare Höflichkeit gegenüber diesem Kulturgut, denn der Wein ist würdig, dass man ihm in die Augen schaut und Zwiesprache hält. Man giesst ihn nicht wie Wasser hinter die Binde, man begegnet ihm mit Achtung.

Wer kann Gesellschafter werden

Interessentinnen und Interessenten über 25 Jahren, welche das Kulturgut schätzen und mehr über den Wein erfahren möchten, sind jederzeit zu den Degustationen herzlich willkommen. Gerne ist der Stubenmeister oder eines der übrigen Stubenratsmitglieder zu weiteren Auskünften bereit. Als Mitglied kann aufgenommen werden, wer sich für das Ziel der Weinbruderschaft interessiert und an Degustationen als Gast teilgenommen hat. Der Jahresbeitrag beträgt zur Zeit CHF 80.- für Einzelmitglieder, CHF 130.- für Ehepaarmitglieder.